Thélyson Orélien kehrt nach Québec zurück – Frankreich-Tournee inmitten der Kontroverse abgebrochen
Nach mehreren Wochen auf Promotiontour in Frankreich ist Thélyson Orélien am Wochenende des 26. und 27. September nach Québec zurückgekehrt. Sein Umfeld bestätigte am Montag, dem 28. September, gegenüber der AFP den Abbruch seiner Frankreich-Tournee. Sein Roman C’était ça ou mourir steht derzeit im Mittelpunkt einer Kontroverse um den Verdacht auf den Einsatz künstlicher Intelligenz und Plagiatsvorwürfe. Ein konkreter Grund für seine Abreise wurde nicht genannt.
Eine Tournee inmitten der Kontroverse abgebrochen
Der Schriftsteller hielt sich seit Anfang September in Frankreich auf, um die Veröffentlichung seines Buches zu begleiten, und sollte noch an Veranstaltungen in Paris und anderen Regionen teilnehmen. Unter anderem war er am 24. September beim Literaturfestival Les Correspondances de Manosque zu Gast. Seine Rückkehr nach Kanada beendet dieses Programm, ohne dass das Umfeld des Autors nähere Angaben zu seinen weiteren Verpflichtungen gemacht hätte.
Auch in Québec war die Buchwerbung bereits beeinträchtigt: Der Verlag Éditions du Boréal hatte die Kanada-Tournee am Donnerstag, dem 24. September, ausgesetzt. Der Abbruch der Reisen in Frankreich erfolgt somit vor dem Hintergrund, dass die öffentlichen Aktivitäten des Autors auf beiden Seiten des Atlantiks betroffen sind.
Ein Roman zwischen Erfolg und Verdacht
Der am 19. August 2026 bei Grasset erschienene Roman C’était ça ou mourir erzählt den Weg eines haitianischen Migranten nach Kanada. Bevor die Kontroverse ausbrach, hatte das Buch den Prix du Roman Fnac erhalten, dessen Vergabe am 21. September bekannt gegeben wurde, und stand auf der ersten Auswahlliste für den Prix Goncourt. Am 25. September wurde es von dieser Liste gestrichen.
Die Vorwürfe gegen den Roman stützen sich insbesondere auf Ergebnisse, die der Software Pangram zugeschrieben werden. Diese beansprucht, von künstlicher Intelligenz erzeugte Texte erkennen zu können. Die Ergebnisse haben den Verdacht genährt, sind für sich genommen jedoch kein Beweis dafür, unter welchen Bedingungen das Buch geschrieben wurde. Parallel dazu beziehen sich Plagiatsvorwürfe auf Texte, die Orélien mehr als zehn Jahre zuvor in Québec veröffentlicht hatte. Es handelt sich um zwei getrennte Sachverhalte, die die Kontroverse über die bloße Debatte um Erkennungswerkzeuge hinaus ausgeweitet haben.
Eine Stellungnahme steht noch aus
Bislang hat der Autor nicht ausführlich auf die Vorwürfe reagiert. In einer von der AFP vergangene Woche wiedergegebenen Erklärung sagte er, er wolle sich äußern, „wenn sich alles beruhigt hat“, und vertrat die Ansicht, die Angriffe richteten sich auch gegen seine Stimme. Gegenüber Libération erklärte er zudem, rassistischen Angriffen ausgesetzt zu sein. Diese Äußerungen geben seine Sicht auf die Kontroverse wieder; sie klären die Vorwürfe selbst nicht.
Die Rückkehr nach Québec markiert somit eine Pause in der öffentlichen Präsenz des Schriftstellers, beendet aber nicht die Fragen rund um das Buch. Der weitere Verlauf wird insbesondere von seiner Stellungnahme und den in beiden Fällen vorgelegten Anhaltspunkten abhängen. Vorerst gilt es, zwischen Vorwürfen, verlegerischen Entscheidungen und gesicherten Fakten zu unterscheiden, ohne eine mediale Kontroverse mit einem abschließenden Urteil gleichzusetzen.
Hauptquelle: 20Minutes – Actu Culture (www.20minutes.fr)
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Autor: 20 Minutes mit AFP
