Meteoriten deuten darauf hin, dass Magnetismus zur Entstehung der Sonne beigetragen haben könnte
In einem Meteoriten erhaltene Mineralfragmente deuten darauf hin, dass bereits in den frühesten Phasen der Entstehung des Sonnensystems ein starkes Magnetfeld vorhanden war. Laut einer in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie könnte dieses Feld neben der Schwerkraft dazu beigetragen haben, Gas zur jungen Sonne zu leiten. Die Forschenden betonen jedoch, dass weitere Meteoriten untersucht werden müssen, um diese Deutung zu untermauern.
Eine magnetische Spur in einem Meteoriten
Um dieser Epoche auf die Spur zu kommen, untersuchte das Team um Cauê Borlina, Planetenwissenschaftler an der Purdue University, einen Meteoriten, der 2008 auf die Erde gefallen war. Die Forschenden konzentrierten sich auf fünf eisenreiche Mineraleinschlüsse. Die Elektronen dieses Elements können sich unter dem Einfluss eines Magnetfelds neu ausrichten und dessen Spuren bewahren.
Mithilfe empfindlicher Magnetometer maß das Team in diesen Einschlüssen ein Feld von einigen Gauß, dessen Stärke damit um ein Mehrfaches über der des heutigen Erdmagnetfelds lag. Diese Minerale sollen vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren erstarrt sein, noch vor der Entstehung der Sonne und der Planeten. Sie liefern somit einen Hinweis auf die Bedingungen, die in der Gas- und Staubwolke herrschten, aus der das Sonnensystem entstand.
Die Schwerkraft wirkte möglicherweise nicht allein
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren seit Langem über die jeweilige Rolle von Schwerkraft und Magnetismus beim Kollaps dieser Wolke und bei der Entstehung der Sonne. Frühere Arbeiten hatten darauf hingedeutet, dass sich nach der Entstehung des Sterns ein Magnetfeld über das gesamte Sonnensystem erstreckte. Schwieriger war festzustellen, ob dieses Feld bereits während der allerersten Phasen seiner Entstehung existierte.
Simulationen zur Entstehung von Planetensystemen zeigen, dass ein stärkeres Magnetfeld mehr Gas zu einem entstehenden Stern transportieren kann. Für die früheste Phase, die sogenannte „Class 0“, schätzen einige Modelle, dass die junge Sonne pro Jahr mehr als 300 Erdmassen an Gas angesammelt haben könnte. Der in den Einschlüssen ermittelte Messwert ist laut Borlina mit einem bedeutenden Beitrag des Magnetismus zu diesem Prozess vereinbar. Er belegt jedoch für sich genommen nicht, welcher Anteil des Gases auf diese Weise transportiert wurde.
Ergebnisse, die noch bestätigt werden müssen
Indrani Das, theoretische Astrophysikerin am Institut für Astronomie und Astrophysik der Academia Sinica, ist der Ansicht, dass diese Ergebnisse wertvolle Einblicke in die Anfänge des Sonnensystems liefern. Sie mahnt dennoch zur Vorsicht: Die Studie stützt sich auf fünf Einschlüsse aus einem einzigen Meteoriten. Messungen an anderen Meteoriten werden nötig sein, um zu überprüfen, ob sich diese magnetische Spur auch in anderen Proben findet.
Die Beobachtungen stützen somit die Vorstellung, dass Magnetismus an der Entstehung der Sonne beteiligt gewesen sein könnte, ohne die Rolle der Schwerkraft auszuschließen. Sie liefern eine direkte Messung der Stärke eines einstigen Magnetfelds, doch die Tragweite dieses Ergebnisses muss durch weitere Analysen genauer bestimmt werden.
Quelle: Science News (www.sciencenews.org)
Originalartikel: Originalquelle aufrufen
Autorin: Katherine Kornei
