In Rafah zeigen Satellitenbilder von Google Earth fast vollständig zerstörte Viertel
Die neuen Aufnahmen von Google Earth vom Süden des Gazastreifens zeigen das Ausmaß der Zerstörungen in Rafah. Sie wurden am 25. Februar 2026 aufgenommen und am 27. September auf der Plattform zugänglich gemacht. Sie zeigen Wohnviertel und landwirtschaftliche Flächen, die sich seit den letzten verfügbaren Bildern vom Juni 2024 stark verändert haben.
Zwei Jahre Abstand zwischen den Bildern
Verglichen werden eine Aufnahme vom 3. Juni 2024 und eine weitere vom 25. Februar 2026. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten hat sich das Stadtbild von Rafah tiefgreifend verändert: Zahlreiche Gebäude sind verschwunden, Straßen sind mit Trümmern bedeckt, und die im Norden der Stadt sichtbaren Gewächshäuser wurden größtenteils zerstört.
Die Bilder vom Februar waren bereits seit Mai 2026 in der Softwareversion von Google Earth einsehbar. Ihre kürzliche Bereitstellung auf der Plattform erleichtert jedoch den Zugang für die breite Öffentlichkeit. Es handelt sich nicht um eine Bestandsaufnahme in Echtzeit: Sie zeigen den Zustand des Gebiets knapp sieben Monate vor ihrer Veröffentlichung.
Der Satellitenbildexperte Jamon Van den Hoek, Professor an der Oregon State University, schätzt, dass weite Teile Rafahs nahezu vollständig zerstört sind. Gemeinsam mit seinem Kollegen Corey Scher verfolgt und misst er die Schäden im Gazastreifen. Die Aufnahmen zeigen unter anderem das ehemalige Flüchtlingslager Tel al-Sultan, in dem vor dem Krieg mehr als 20 000 Menschen lebten.
Wohngebäude und landwirtschaftliche Flächen betroffen
Die Zerstörungen betreffen auch die landwirtschaftliche Infrastruktur. Die Gewächshäuser und Anbauflächen nördlich von Rafah, die auf den Bildern vom Juni 2024 noch zu sehen waren, sind auf den Aufnahmen vom Februar 2026 weitgehend verschwunden. Im März 2025 hatte eine Analyse auf Grundlage von Daten des Forschers He Yin den Anteil der zerstörten Gewächshäuser in Gaza bereits auf fast zwei Drittel geschätzt.
Nicht alles wurde dem Erdboden gleichgemacht. Öffentliche Gebäude und große Gebäudekomplexe sind weiterhin sichtbar, darunter eine Außenstelle der offenen Universität Al-Quds und das städtische Stadion von Rafah. In der Nähe einiger dieser Standorte zeigen die Bilder Fahrzeuge und Zelte, die als militärisch bezeichnet werden. Nach den von France 24 berichteten Informationen operieren die israelische Armee und mit ihr verbündete bewaffnete Gruppen in diesem Gebiet, das von seinen Bewohnern weitgehend verlassen wurde.
Eine evakuierte Stadt, dann weitere Zerstörungen
Die Entwicklung beginnt mit der israelischen Offensive gegen Rafah im Mai 2024, begleitet von Evakuierungsbefehlen, die dazu führten, dass Hunderttausende Einwohner die Stadt verließen. Nach Beginn einer Waffenruhe am 19. Januar 2025 und dem israelischen Rückzug aus einigen Gebieten wurde die Offensive am 20. März wieder aufgenommen. Am 31. März befahl die Armee der Bevölkerung, die Stadt in Richtung al-Mawasi zu verlassen.
Rafah hatte nach den im Bericht genannten Zahlen etwa 250 000 Einwohner und beherbergte zudem 1,5 Millionen durch den Krieg vertriebene Menschen. Eine von Corey Scher und Jamon Van den Hoek anhand von Satellitendaten erstellte Karte zeigt, dass zahlreiche bereits beschädigte Gebäude zwischen März und Oktober 2025 erneut beschädigt wurden, insbesondere im Ballungsraum Rafah.
Khalil Sayegh, ein aus Gaza stammender Forscher und politischer Analyst, bringt die Beschleunigung der Zerstörungen nach dem 31. März 2025 mit dem Einsatz privater Subunternehmer in Verbindung, die mit Bulldozern ausgestattet sind. Die israelische Armee erklärt ihrerseits, die Abrisse hätten Verstecken und Tunneln der Hamas gegolten. Im Bericht erwähnte journalistische Recherchen führen eine andere Deutung an: Ihnen zufolge könnte das Ausmaß der Abrisse auch mit der Einrichtung einer Pufferzone zusammenhängen. Diese Zielsetzung bleibt eine Einschätzung und ist keine durch die Bilder allein belegte Tatsache.
Eine unvollständige Satellitenabdeckung
Die Aktualisierung von Google Earth deckt nicht den gesamten Gazastreifen ab. Die seit Kurzem verfügbaren Bilder des Südens stammen vom Februar 2026, diejenigen des zentralen Gebiets vom Januar. Für den Norden zeigt die Plattform weiterhin Aufnahmen aus den Jahren 2024 oder 2025.
Hochwertigere Bilder des nördlichen Gazastreifens, die 2025 aufgenommen wurden, waren kurzzeitig auf dem öffentlichen israelischen Kartenportal Govmap zugänglich. Auf einer vom Kartografen Nathan Ruser gesicherten Kopie lassen sich mindestens drei befestigte Militärstützpunkte östlich von Gaza-Stadt mit Zelten und Fahrzeugen erkennen. Diese Anlagen sind auf den älteren Bildern von Google Earth nicht zu sehen.
Autor: Nathan GALLO
Quelle: France 24 – Informationen, News & Nachrichten – Internationale Nachrichten live (www.france24.com)
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