Bardella zugeschriebene antisemitische Äußerungen: RN dementiert, Linke empört
Eine am 28. September 2026 veröffentlichte Recherche von Mediapart schreibt Jordan Bardella antisemitische Äußerungen zu, die aus der Anfangszeit seines Engagements beim Front national stammen. Der Vorsitzende des Rassemblement national bestreitet sie und kündigt eine Verleumdungsklage an. Mit Blick auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl 2027 ist die politische Tragweite real; die Echtheit der Nachrichten bleibt jedoch umstritten. ()
Zugeschriebene Äußerungen, ein kategorisches Dementi
Mediapart berichtet über private Unterhaltungen, in denen Jordan Bardella unter anderem geschrieben haben soll, dass „alle Banken Juden gehören“, und eine Verschwörungstheorie über die Anschläge vom 11. September 2001 verbreitet haben soll. Diese Äußerungen sind antisemitisch. Strittig ist nicht ihr Charakter, sondern ihre Urheberschaft: Bardella bestreitet ausdrücklich, sie verfasst zu haben, und bezeichnet sie als Fälschungen. Er hat mitgeteilt, eine Verleumdungsklage eingereicht zu haben. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Ankündigung einer Klage weder ein Beweis dafür, dass die Dokumente gefälscht sind, noch eine gerichtliche Feststellung ihrer Echtheit. ()
Die Chronologie ist wichtig. Die genannten Unterhaltungen sollen insbesondere aus dem Jahr 2013 stammen; veröffentlicht wurden sie am Montag, dem 28. September 2026. Der Artikel des Nouvel Obs über die politischen Reaktionen wurde am 28. September um 21:04 Uhr veröffentlicht und am Dienstag, dem 29. September, um 8:40 Uhr aktualisiert. Es handelt sich somit um Reaktionen auf eine aktuelle Recherche zu alten Äußerungen und nicht um öffentliche Aussagen Bardellas aus dieser Woche. ()
Warum diese Affäre die Strategie des RN berührt
Der Streit geht über den Ruf eines Politikers hinaus. Jordan Bardella steht dem RN vor und sitzt im Europäischen Parlament, wo er auch die Fraktion Patrioten für Europa leitet. Seine Bedeutung für das französische Wahlgeschehen ist nicht bloß ein medialer Eindruck: Bei der Europawahl vom 9. Juni 2024 erhielt die Liste, die seinen Namen und den von Marine Le Pen trug, laut den endgültigen Ergebnissen des Innenministeriums 7 765 936 Stimmen, also 31,37 % der gültigen Stimmen, und 30 Sitze. Diese Zahlen beschreiben eine vergangene Wahl; sie messen weder die Reaktion der Wähler auf die Recherche noch ihre Wahlabsichten für 2027. ()
Zu untersuchen ist auch die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Bild, das Bardella vertritt, und den ihm zugeschriebenen Äußerungen. Während einer Debatte im Europäischen Parlament am 7. Oktober 2024 verurteilte er öffentlich den zunehmenden Antisemitismus. Diese Stellungnahme ist dokumentiert. Sie reicht allein nicht aus, um ihren Urheber angesichts der von Mediapart veröffentlichten Nachrichten zu entlasten; umgekehrt erlauben es diese umstrittenen Nachrichten noch nicht, einen persönlichen Widerspruch als endgültig erwiesen darzustellen. Genau diese Überprüfung darf die politische Debatte nicht umgehen. ()
Politische Reaktionen sind keine Beweise
Marine Le Pen sprach von „Wahnsinn“ und „Geheimdienstmachenschaften“. Andere Vertreter des RN sprachen von Manipulation, während ihr Verbündeter Éric Ciotti Mediapart angriff. Auf der Linken forderte Marine Tondelier Bardellas Rücktritt; Regierungsmitglieder betonten die Schwere der Äußerungen, sofern sie sich als echt erweisen. Dominique de Villepin warnte seinerseits davor, unlautere Absichten zu unterstellen, und hinterfragte zugleich, wie real die „Entdämonisierung“ sei. Diese Reaktionen lassen unterschiedliche politische Positionen erkennen. Keine von ihnen, ob sie Bardella verteidigt oder verurteilt, ersetzt die Prüfung der umstrittenen Unterlagen. ()
Der Reflex, den Überbringer der Nachricht anzugreifen, beweist nicht, dass seine Recherche falsch ist. Der umgekehrte Reflex – Empörung für eine fachkundige Prüfung der Dokumente zu halten – beweist nicht, dass sie wahr ist. Was sich heute feststellen lässt, ist präziser: Ein Medium veröffentlicht schwerwiegende Vorwürfe; der betroffene Politiker weist sie zurück; seine Gegner und seine Verbündeten leiten daraus gegensätzliche politische Deutungen ab.
Welche Schlüsse sich ziehen lassen und was fehlt
Die Affäre stellt ein zentrales Element der öffentlichen Selbstdarstellung des RN auf die Probe: seinen erklärten Bruch mit dem Antisemitismus, der mit der Geschichte des Front national verbunden ist. Dies ist eine Frage der politischen Analyse, keine Schlussfolgerung über den Verfasser der Nachrichten. Die für diesen Artikel herangezogenen Unterlagen erlauben weder eine unabhängige Überprüfung der Echtheit der Unterhaltungen noch eine Vorwegnahme des Ausgangs eines möglichen Verleumdungsverfahrens. Ebenso wenig lässt sich damit eine Auswirkung auf Wahlen beziffern. Vorerst bleibt die entscheidende Frage die nach den Dokumenten und ihrer Urheberschaft, nicht die nach der Menge empörter Stellungnahmen. ()
Hauptquelle: Le Nouvel Obs – Politik (www.nouvelobs.com)
Originalartikel: Originalquelle aufrufen
Autor: Service Actu
Ergänzende Quellen
- Innenministerium, endgültige Ergebnisse der Europawahl vom 9. Juni 2024: Ergebnisse für ganz Frankreich. ()
- Europäisches Parlament, Profil von Jordan Bardella: Mandate und Funktionen. ()
- Europäisches Parlament, Sitzungsbericht vom 7. Oktober 2024: Redebeitrag von Jordan Bardella. ()
