Gewalt gegen Kinder: Enfance & Partage fordert einen Schutzrahmen vor Einführung des Fragebogens
Ab November 2026 plant das französische Bildungsministerium, Schülerinnen und Schülern vom letzten Vorschuljahr bis zur Abschlussklasse des Gymnasiums einen Fragebogen zu sexueller Gewalt anzubieten. Enfance & Partage unterstützt das Ziel, Gewalt besser zu erkennen, weist jedoch auf eine für die Kinder zentrale Frage hin: Welche konkrete Hilfe wird ihnen angeboten, wenn sie eine solche Situation offenlegen?
Ein Fragebogen für alle Schülerinnen und Schüler angekündigt
Das Ministerium kündigte das Verfahren zum Schuljahresbeginn 2026 an: Die Schülerinnen und Schüler sollen einen altersgerechten Fragebogen beantworten und auf Wunsch um ein Gespräch mit einer erwachsenen Vertrauensperson bitten können. Die Verteilung ist ab November vorgesehen, doch die genauen Modalitäten der Betreuung nach einer Offenlegung stehen weiterhin im Mittelpunkt der vom Verein geäußerten Bedenken.
Bei einem Empfang am 23. September durch den französischen Bildungsminister Édouard Geffray brachten Enfance & Partage und der Groupe d’Observation et de Protection des Enfants contre les Violences (GOPEV) ihre Sorgen zum Ausdruck. Der Verein betont, dass ein Fragebogen allein nicht ausreicht, um ein Kind zu schützen: Es muss möglich sein, dem Kind zuzuhören, die Situation einzuschätzen und eine angemessene Reaktion zu organisieren.
Nach einer Offenlegung muss eine Schutzkette vorgesehen sein
Für den Verein ist entscheidend, im Voraus zu wissen, wer übernimmt, wenn eine Schülerin oder ein Schüler Gewalt meldet: Welche erwachsene Person wird zuhören, an welche Fachkraft wird das Kind weitergeleitet und innerhalb welcher Fristen? Er weist auch auf die Schwierigkeit anonymer Antworten hin, die es erschweren können, ein gefährdetes Kind zu identifizieren und zu begleiten.
Enfance & Partage ist der Ansicht, dass diese Fragen vor der Verteilung geklärt werden müssen. Wenn ein Kind sich anvertraut und anschließend keine Reaktion oder Unterstützung erhält, könnte es das Gefühl bekommen, nicht gehört worden zu sein, und zögern, erneut um Hilfe zu bitten. Der Verein fordert daher, dass der Fragebogen in einen Schutzprozess eingebettet wird, statt lediglich eine isolierte Sammlung von Erfahrungsberichten zu bilden.
Ein Verfahren, das von „Brisons le silence“ zu unterscheiden ist
Im Rahmen des Plans „Brisons le silence, agissons ensemble“ gibt es bereits ein anderes Instrument. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler in Internaten sowie an diejenigen, die an einer Klassenfahrt mit mindestens einer Übernachtung teilgenommen haben. Diese Fragebögen können anonym oder mit Namensangabe ausgefüllt werden und beziehen sich auf Gewalt im Internat oder während der Fahrt. Das Ministerium erklärt, dass bei einem Warnsignal Gespräche mit Fachkräften aus dem Sozial- und Gesundheitswesen oder mit Psychologinnen und Psychologen organisiert werden können.
Der für November angekündigte Fragebogen hat einen anderen Anwendungsbereich: Er soll allen Schülerinnen und Schülern vom letzten Vorschuljahr bis zur Abschlussklasse des Gymnasiums angeboten werden und befasst sich mit sexueller Gewalt. Die beiden Ansätze dürfen daher nicht verwechselt werden. Das Ministerium erläutert das Verfahren „Brisons le silence“ auf Éduscol.
Die vor dem Start geforderten Garantien
Vor einer flächendeckenden Einführung fordert Enfance & Partage insbesondere, die Fachkräfte zu schulen, die Verfügbarkeit medizinisch-sozialer Hilfsangebote und von Kinderschutzressourcen in jedem Gebiet zu prüfen und ein landesweites Vorgehen für den Fall einer Offenlegung festzulegen. Der Verein fordert außerdem, den Fragebogen an das Alter, eine mögliche Behinderung und die Ausdrucksfähigkeiten der Kinder anzupassen und anschließend seine Verständlichkeit sowie die auf die Antworten folgenden Maßnahmen zu evaluieren.
Das Ministerium stellt den Fragebogen als Möglichkeit vor, mit der Schülerinnen und Schüler ihre Situation mitteilen und um ein Gespräch bitten können. Für Kinder und Jugendliche bleibt die praktische Frage die der Kontinuität: sprechen können, gehört werden und Zugang zu angemessenem Schutz erhalten. Die Ankündigung des Ministeriums zum Fragebogen findet sich in seiner Mitteilung zum Schuljahresbeginn 2026.
Quelle: Enfance et Partage
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