KI bei Frontières: 37 von 50 Artikeln liegen laut Pangram über 50 % – ein Ergebnis, das differenziert betrachtet werden muss
Am 29. September 2026 berichtete CheckNews, dass 37 von 50 Artikeln von Frontières, die mit dem Detektor Pangram geprüft wurden, einen Wert für KI-Nutzung von über 50 % erreichten. Dieses Ergebnis ist ein Signal, das untersucht werden sollte, kein direkter Beleg für die redaktionellen Praktiken des Mediums. Unser Faktencheck unterscheidet daher zwischen der genannten Zahl und der weitergehenden Schlussfolgerung, Frontières setze bei den Artikeln auf seiner Website in hohem Maße KI ein. (collector.com.tr)
Die überprüfte Behauptung
Die zahlenmäßige Behauptung stammt von CheckNews: Von 50 auf der Website von Frontières veröffentlichten und mit Pangram getesteten Artikeln sollen 37 den Schwellenwert von 50 % überschritten haben. Die im Titel des Artikels von Libération gestellte Frage geht weiter: Lässt sich anhand dieser Ergebnisse belegen, dass Frontières in hohem Maße KI einsetzt? Nach den zugänglichen Informationen handelt es sich nicht um eine Aussage, die Frontières zugeschrieben wird. Der Artikel ist auf den 29. September 2026 datiert; der Veröffentlichungszeitraum der 50 getesteten Texte wird in der verfügbaren Zusammenfassung nicht angegeben. (collector.com.tr)
Was die Fakten zeigen
Legt man die von CheckNews veröffentlichten Zahlen zugrunde, entsprechen 37 von 50 74 % der getesteten Artikel. Dieser Prozentsatz beschreibt die angegebene Stichprobe und nicht unbedingt sämtliche Artikel von Frontières. Er bedeutet auch nicht, dass „74 % der Website“ von einer KI geschrieben wurden: Das Ergebnis bezieht sich auf die Anzahl der Artikel, die einen für jeden Text festgelegten Schwellenwert überschritten haben. (collector.com.tr)
Auch der Wert muss richtig interpretiert werden. Pangram beschreibt einen Wert von 50 % als Schätzung des Anteils eines Dokuments, den das Tool als KI-generiert oder KI-unterstützt einstuft. Das ist weder ein Beweis dafür, dass genau die Hälfte der Wörter von einem Chatbot erzeugt wurde, noch eine Wahrscheinlichkeit von 50 %, dass der Autor KI genutzt hat. Die Dokumentation von Pangram 4 unterscheidet zudem zwischen den Segmenten „von einem Menschen verfasst“, „KI-unterstützt“ und „KI-generiert“. (pangram.com)
Die Überprüfung
Ein Detektor kann durchaus nützlich sein, doch seine Leistungsfähigkeit muss im Zusammenhang mit den Texten betrachtet werden, an denen er tatsächlich getestet wurde. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie verglich Pangram mit drei weiteren Tools anhand von 160 akademischen Texten auf Englisch, deren Herkunft bekannt war. Pangram erzielte dabei die besten Ergebnisse der untersuchten Tools. Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass dieses Experiment mit langen akademischen Texten nicht alle realen Schreibbedingungen abbildet; bei ihrem zweiten Korpus aus authentischen Abschlussarbeiten war die Herkunft nicht so verifiziert, dass sich jede Erkennung überprüfen ließ. Diese Ergebnisse bestätigen daher nicht automatisch die Gültigkeit eines Werts für einen bestimmten französischen Presseartikel. (link.springer.com)
Ein weiterer entscheidender Punkt für die Reproduktion des Tests ist die Pangram-Version. Der Anbieter gibt an, dass Pangram 4 seit dem 29. Juli 2026 verfügbar war, in seiner Programmierschnittstelle jedoch bis zum 30. September 2026 weiterhin standardmäßig Version 3.3.2 verwendet wurde, sofern Version 4 nicht ausdrücklich ausgewählt wurde. Die Ergebnisse eines erneuten Durchlaufs mit dem Tool wären daher nicht unbedingt vergleichbar, solange die von CheckNews verwendete Version unbekannt ist. (pangram.com)
Wir konnten weder auf den vollständigen Text der Recherche von Libération zugreifen noch die 50 Analysen reproduzieren. Die einsehbaren Informationen enthalten weder die Liste der Artikel noch deren Daten, die eingereichten Texte, die Einzelwerte, die verwendeten Einstellungen oder das Verfahren zur Auswahl der Stichprobe. Wir können daher weder die Zahl von 37 Artikeln unabhängig überprüfen noch feststellen, ob diese 50 Texte die Produktion der Website repräsentieren. Diese Einschränkung beweist nicht, dass das Ergebnis von CheckNews falsch ist; sie verhindert jedoch, dass wir es hier als ein zweites Mal überprüften Befund darstellen können.
Die Quellen und Daten
Dieser Faktencheck stützt sich auf die von CheckNews veröffentlichte zahlenmäßige Behauptung, die technische Dokumentation und die Erläuterungen von Pangram zu seinen Werten und Versionen sowie auf eine unabhängige wissenschaftliche Bewertung des Detektors. Diese Quellen verdeutlichen, was der Test aussagen kann. Für sich genommen liefern sie jedoch keine Entstehungsgeschichte der Artikel von Frontières. (collector.com.tr)
Urteil
Urteil: nicht bestätigbar. Die Zahl von 37 von 50 Artikeln ist ein von CheckNews berichtetes Ergebnis, das wir nicht nachrechnen konnten. Selbst wenn es reproduziert würde, bliebe ein Erkennungswert ein Hinweis auf KI-generierte oder KI-unterstützte Inhalte und keine direkte Beobachtung der Arbeitsmethoden von Frontières. Ohne diesen Vorbehalt zu behaupten, das Medium setze auf seiner gesamten Website „in hohem Maße“ KI ein, ginge über die hier überprüfbaren Informationen hinaus.
Das Wichtigste im Überblick
Die Frage verdient eine Untersuchung; der Wert einer Software allein ersetzt nicht die Kenntnis der getesteten Texte, des Stichprobenverfahrens und der einzelnen Schritte beim Verfassen. Die Unterscheidung ist einfach: 37 gemeldete Erkennungen in einer Stichprobe sind nicht gleichbedeutend mit 37 nachgewiesenen Schreibprozessen.
Hauptquelle: Libération (www.liberation.fr)
Originalartikel: Originalquelle aufrufen
Autor: Jacques Pezet
